Die Pfadfinder in Emmerich gibt es bereits seit 1948. Die Stadt Emmerich lag nach dem Zweiten Weltkrieg in Trümmern, es gab nur noch wenige bewohnbare Häuser. Eines davon war das Haus Alpen, in das Kaplan Wilhelm Lentz Jugendliche zu Gesprächskreisen einlud. Daraus bildeten sich die ersten sogenannten Sippen. Das erste Lager, noch vor der offiziellen Gründung, führte die Gruppe nach Gemen im Münsterland.

Die ersten Jahre: Gründung und regelmäßige Fahrten

Am 16. November 1949 wurde der Stamm Emmerich offiziell gegründet, Stammesführer (vergleichbar mit dem heutigen Stammesvorstand) wird Theo Gregorius.

Jährlich finden Lager statt, der Stamm fährt in den ersten Jahren u. a. zum Wolfsberg, nach Duisburg, in den Deutener Wald und in den Schwarzwald. 1951 beherbergt der Stamm zum ersten Mal internationale Gäste – englische Pfadfinder aus Nottingham sind zu Besuch in Emmerich. 1958/1959 geht es für eine Gruppe der Emmericher Pfadfinder hinein ins große Abenteuer, mit einem alten VW-Bus begeben sie sich auf eine lange Reise durch Europa, Asien und Afrika.

1960 löst sich der Stamm Emmerich in zwei Gruppen auf, doch 1969 wird der Stamm in seiner jetzigen Form durch Hans-Gerd Smeenk, Willi Böing und Werner Heer neu gegründet.

1981 bezieht der Emmericher Stamm sein erstes Domizil, den Keller der Martinigrundschule. Dort kann der Stamm die Truppstunden veranstalten und sein Material lagern.

„Kinder werden nicht erst Menschen, sie sind es bereits.“: Unser Namenspatron Janusz Korczak

Auf einer Stammesversammlung im Jahr 1982 wird beschlossen, dass Janusz Korczak Namenspatron des Stammes wird. Janusz Korczak war ein polnischer Kinderarzt und Pädagoge, der in Warschau zwei Waisenhäuser führte. Zu Lebzeiten setze er sich für die Rechte von Kindern ein. Im August 1942, mitten im Zweiten Weltkrieg, wird er mit 200 Kindern vom Warschauer Ghetto ins Vernichtungslager nach Treblinka deportiert. Obwohl er mehrere Angebote zu seiner persönlichen Rettung erhält, lässt er die Kinder nicht im Stich und fährt mit ihnen in das Vernichtungslager, obwohl das den sicheren Tod für ihn bedeutete. Durch die Wahl als Namensgeber möchte der Stamm Emmerich an seinen Einsatz für Kinderrechte und seine Gedanken zur modernen Pädagogik erinnern.

Engagement und 50-jähriges Jubiläum

In den folgenden Jahren baut der Stamm seine Aktivitäten weiter aus. Sommerlager finden in ganz Deutschland statt und der Stamm nimmt an vielen überregionalen Veranstaltungen, z. B. am Jamborette in Berlin teil. Außerdem veranstaltet der Stamm regelmäßige Aktionen, um die Welt ein bisschen besser zu verlassen: Es finden Polenhilfsaktionen in den 1980er Jahren, Aktionstage zur Müllvermeidung in den 1990er Jahren und eine Mahnwache „Pfadfinder gegen Ausländerhaß“ (1993) statt. Im Jahr 1996 fährt der gesamte Stamm für drei Wochen ins Sommerlager nach Frankreich. 1999 wird das 50-jährige Jubiläum gefeiert.

Umzug nach Speelberg und 70-jähriges Jubiläum

Der Martinikeller, der in den 1980er Jahren bezogen wurde, muss in den 2000er Jahren wieder verlassen werden, da er regelmäßig vom Rhein-Hochwasser überschwemmt wurde. Seitdem ist der Stamm im St. Michaelsheim im Emmericher Ortsteil Speelberg beheimatet. Dort finden bis heute die wöchentlichen Truppstunden statt. Mit dem Umzug nach Speelberg steigt auch das Engagement in diesem Teil der Gemeinde. Die Pfadfinder verteilen am Palmsonntag die Palmzweige und vor Weihnachten das Friedenslicht. Außerdem finden regelmäßig Stammesaktionen am Jugendheim oder auf der Schulwiese der Liebfrauengrundschule statt. 2009 wurde während der 72h-Aktion der Park rund um die Liebfrauenkirche neu gestaltet, 2013 konnte während dieser Aktion der Spielplatz des Kindergartens Arche Noah erneuert werden. 2019 hat der Stamm Emmerich sein 70-jähriges Jubiläum gefeiert, zu dem auch ehemalige Stammesmitglieder der Gründungszeit gekommen sind. Jedes Jahr geht es gemeinsam ins Stammeslager – alle zwei Jahre ins „große“ zweiwöchige Sommerlager, in den restlichen Jahren ins „kleine“ Lager. Zuletzt war der Stamm gemeinsam in den Osterferien 2022 in der Schützenhalle in Niedersfeld im Sauerland.